Zweite Halbzeit ohne Wurfglück
Enttäuschung auf der einen, ausgelassener Jubel auf der anderen Seite: Nach einem intensiven Duell hat die SGH Ibbenbüren das Spitzenspiel der Verbandsliga beim SVH Westerholt verloren. Nun droht statt Meisterschaft die Aufstiegs-Relegation.

Niedergeschlagen und schwer enttäuscht sitzen die Spieler auf der Bank. Fabian Winter versteckt seinen Kopf tief in seinem Trikot, Torhüter Linus Kühne hockt auf dem Boden, Hendrik Peters verlässt gar sofort die Halle. Und Trainer Maik König läuft, den Kopf gen Boden gesenkt, gedankenlos durch die Halle. Nein, das hatten sich die Handballer der SGH Ibbenbüren ganz anders vorgestellt. Während sie um Fassung kämpfen, jubeln nur wenige Meter weiter völlig losgelöst die Spieler des SV Handball Westerholt. Sie hatten wenige Minuten zuvor das Handball-Spitzenspiel der Verbandsliga mit 26:25 gewonnen und haben damit im Titelkampf nun die besten Karten.
„Das war ein heißer Fight“, zeigte sich Maik König enttäuscht, zollte seinem Team dennoch ein Lob: „Die Mannschaft hat gut gekämpft, hat nie aufgegeben und auch bei dem Rückstand in der Endphase bis zuletzt alles rausgehauen. Leider hat unser Angriffsspiel in der zweiten Halbzeit nicht mehr so geklappt, wie wir uns das gewünscht haben.“ Das dürfte gewiss auch an dem geglückten Vorhaben der Hausherren gelegen haben. Sie haben SGH-Shooter Magnus Aust clever an die Kette gelegt, so dass ihm überhaupt nur vier Treffer gelangen, zwei davon ganz am Ende.
„Wir haben einfach nicht mehr getroffen.“
Fabian Winter zur schwachen Torausbeute im zweiten Durchgang
Bei bester Stimmung in der kleinen, alten Halle am Bahnhof in Westerholt, die auch mit dem Parkettboden stark an die Halle Bockraden erinnert, schenkten sich beide Mannschaften nichts, lieferten sich einen offenen Schlagabtausch. Ein Fanbus und viele Privat-Pkw waren aus Ibbenbüren angereist. Der Support für die in Gelb-Schwarz angetretenen Gäste war erstklassig. Aber auch die lautstarken heimischen Anhänger sorgten für eine beeindruckende Kulisse. Anhand der Nähe zu Gelsenkirchen schwärmen die Menschen in Westerholt eher für Schalke, so dass sogar echte Derbyatmosphäre aufkam, wie man sie aus den Spielen von S04 gegen Borussia Dortmund in der Fußball-Bundesliga kennt.
Die SGH hätte mit einem Sieg Meisterschaft und Oberliga-Aufstieg bereits eintüten können. Zur Pause sah es auch noch ganz gut aus. Da führten die Gäste völlig zurecht mit 15:12. Eine vor allem offensiv deutlich schwächere zweite Halbzeit, in der der SGH nur noch zehn Tore gelangen, führte dann zu der absolut vermeidbaren Niederlage. „Wir haben das Spiel ganz klar im zweiten Durchgang verloren“, brachte es denn auch Till Dorn auf den Punkt. „Wir hatten genauso viele Chancen wie vor dem Seitenwechsel, haben dann aber den Torwart von Westerholt warmgeschossen und ihn zum Mann des Spiels werden lassen.“

Unterstützung war erstklassig. Gereicht hat es
leider nicht. | Foto: Alfred Stegemann
In der Tat. Während die SGH nach verschlafenem Beginn immer besser ins Spiel fand, in der Abwehr sicher stand und im Angriff souverän traf (15:12), lief nach dem Seitenwechsel offensiv kaum noch etwas. Dabei haben die Gäste in den zweiten 30 Minuten im Großen und Ganzen einen ähnlichen Auftritt hingelegt wie im ersten Durchgang, haben nur ihre Angriffe nicht mehr erfolgreich abgeschlossen. „Ich weiß nicht, was los war“, meinte Fabian Winter. „Wir haben einfach nicht mehr getroffen. So war der Vorsprung schnell weg. Uns hat sicher auch das Quäntchen Glück gefehlt. Dann sind wir wohl hektisch geworden.“
Knackpunkt war die Phase Mitte der zweiten Halbzeit, als Westerholt aus einem 16:18 einen 20:18-Vorsprung machte. Satte sechs Angriffe in Folge verballerte die SGH in diesem Spielabschnitt. Zwar blieben die Gäste dran, hielten die Partie bis zum Abpfiff spannend, zum Sieg oder zu einem Punkt, der den Ibbenbürenen mehr geholfen hätte als den Hausherren, reichte es nicht mehr.
Durch die Niederlage hat der SVH Westerholt nun die besseren Karten im Titelkampf und könnte in seinen beiden dann noch verbleibenden Partien bei Teutonia Riemke und gegen Vorwärts Gronau alles klar machen. Die SGH, die nur noch ein Spiel am kommenden Samstag gegen Eintracht Dolberg austragen muss, würde dann die Aufstiegsrelegation gegen die beiden Zweitplatzierten der anderen Verbandsliga-Staffeln bleiben. Der Sieger dieser Dreierrunde steigt ebenfalls in die Oberliga auf.
Artikel geschrieben von Alfred Stegemann
In der IVZ erschienen am Sonntag, 26.04.2026

